Pressemitteilung vom 31.03.2026 von Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner
„Aus kommunaler Sicht beobachte ich die Kürzungen im Bereich der ambulanten Psychotherapie mit großer Sorge“, erklärt die oberfränkische Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner (Bündnis 90/Die Grüne). „Wenn ambulante Strukturen geschwächt werden, führt das zwangsläufig zu mehr stationären Behandlungen in unseren Bezirkskliniken. Gerade aus Sicht der kommunalen Versorgung ist der Grundsatz „ambulant vor stationär“ zentral. Stationäre Aufenthalte sollten nicht länger dauern als notwendig – dazu ist eine verlässliche ambulante Weiterbehandlung entscheidend. Sie hilft nicht nur den Betroffenen, sondern verhindert auch
kostenintensive Klinikaufenthalte.“
Hintergrund der Kritik ist ein aktueller Beschluss: Der Bewertungsausschuss hat auf Betreiben des GKV-Spitzenverbandes entschieden, die Vergütung der ambulanten Psychotherapie ab dem 01.04.2026 um 4,5 Prozent zu senken. Die Kürzung trifft ausgerechnet eine Berufsgruppe, die bereits heute vergleichsweise niedrig vergütet wird und zu rund 80 Prozent aus Frauen besteht. Verweise auf angeblich „überproportionale Steigerungen“ in den vergangenen Jahren greifen aus Sicht vieler Betroffener zu kurz, da diese von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau ausgingen. Auch die jüngst hervorgehobene Anhebung des Strukturzuschlags um 14 Prozent wirkt vor diesem Hintergrund wenig überzeugend – insbesondere, da dieser im Jahr zuvor in gleicher Höhe abgesenkt worden war. Gleichzeitig steigen die Kosten für Praxen deutlich.
„Die aktuellen Entwicklungen bedeuten eine massive Abwertung unserer psychotherapeutischen Arbeit und führen dazu, dass Therapeut:innen zunehmend gezwungen sind, mehr Privatpatienten oder Selbstzahler zu behandeln, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, erklärt Marco Held, der sich derzeit in Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten befindet. „Dabei ist der Bedarf hoch: Rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland erfüllt jedes Jahr die Kriterien für eine psychische Erkrankung – Tendenz steigend. Für gesetzlich Versicherte werden sich die monatelangen Wartezeiten durch die aktuelle Entscheidung weiter verlängern. Dabei ist ambulante Psychotherapie ein äußerst kosteneffizienter Bestandteil unseres Gesundheitssystems. Sie macht nur etwa zwei Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus, verhindert aber Chronifizierungen, reduziert teure Klinikaufenthalte und trägt dazu bei, dass Menschen arbeitsfähig bleiben.“
Besonders kritisch ist die Entwicklung für ländliche Regionen wie Oberfranken. Bereits heute ist ein großer Teil der niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über 60 Jahre alt. Nachwuchskräfte zögern zunehmend, sich im Kassensystem niederzulassen – auch wegen unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Viele erwägen stattdessen den Weg in die Privatpraxis oder Wirtschaft. Die Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner fordert daher ein politisches Umdenken. Der Beschluss müsse überprüft und die Rahmenbedingungen für die ambulante psychotherapeutische Versorgung verbessert werden. Ziel müsse es sein, eine wohnortnahe und verlässliche Versorgung – gerade im ländlichen Raum – langfristig sicherzustellen.
Kurzversion:
„Aus kommunaler Sicht beobachte ich die Kürzungen im Bereich der ambulanten Psychotherapie mit großer Sorge“, erklärt die oberfränkische Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner (Bündnis 90/Die Grünen). „Wenn ambulante Strukturen geschwächt werden, führt das zu mehr stationären Behandlungen – und damit zu höheren Kosten für die kommunale Ebene. Der Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘ darf nicht durch Fehlanreize unterlaufen werden.“
Hintergrund ist ein Beschluss des Bewertungsausschusses, die Vergütung für ambulante Psychotherapie ab dem 01.04.2026 um 4,5 Prozent zu senken. Betroffen ist eine ohnehin vergleichsweise niedrig vergütete Berufsgruppe, die zu rund 80 Prozent aus Frauen besteht. Kritik gibt es auch an Verweisen auf angebliche „überproportionale Steigerungen“, da diese von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau ausgingen. Gleichzeitig steigen die Praxiskosten weiter. „Die Kürzungen führen dazu, dass Therapeutinnen und Therapeuten verstärkt Privatpatienten behandeln müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, sagt Marco Held, Psychotherapeut in Ausbildung. „Für gesetzlich Versicherte werden sich die ohnehin langen Wartezeiten weiter verschärfen.“ Dabei ist der Bedarf hoch: Rund ein Viertel der Erwachsenen sind jährlich von einer psychischen Erkrankung betroffen.
Gerade für ländliche Regionen wie Oberfranken ist die Entwicklung kritisch. Viele Behandler stehen kurz vor dem Ruhestand, während Nachwuchskräfte zunehmend vor einer Niederlassung im Kassensystem zurückschrecken.
Die Bezirksrätin Dagmar Keis-Lechner fordert daher: Der Beschluss müsse überprüft und die ambulante Versorgung gestärkt werden, um eine wohnortnahe Behandlung auch künftig sicherzustellen.
